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Im technischen Umfeld fällt es im Allgemeinen schwer, seine Kollegen davon zu überzeugen, einer Intuition zu folgen. Manager und Ingenieure sind eher geneigt, Fakten und Berechnungen zu glauben. Und doch kennen viele das Erlebnis, plötzlich ein Gefühl zu haben, daß ein bestimmter Vorschlag funktionieren oder scheitern wird, ohne es in diesem Moment sachlich begründen zu können. Und oft macht dieses "Bauchgefühl" zutreffende Vorhersagen.

Das "Sechsfarbendenken" von E. DeBono (engl. Six Hat Thinking) sieht ausdrücklich eine Rolle vor (den "roten Hut"), um Intuitionen zu äußern. Weitere Rollen gibt es für Optimismus, Pessimismus, Kritik und sachliche Steuerung des Meetings. Die Methode erfordert allerdings, daß alle Teilnehmer eines Meetings mit den verschiedenen Rollen vertraut und in deren Annahme trainiert sind.

 

Prof. Gerd Gigerenzer vom MPI für Bildungsforschung hat alltägliche Situationen untersucht, in denen „intuitiv“ überwiegend richtige Entscheidungen getroffen werden, und in vielen Fällen dahinter einfache Faustregeln entdeckt. Wenig Wissen kann sogar von Vorteil sein, wenn die z.B. Rekognitionsheuristik zu Anwendung kommt, sie versagt bei umfassendem Wissen. Das Credo ist, daß man Intuitionen oft vertrauen kann. Man muss nur wissen, unter welchen Bedingungen.

 

Ich möchte erreichen, daß man in Besprechungen Intuitionen äußern kann und sie ernst genommen werden. Man kann auf Grundlage der von Psychologen gefundenen Faustregeln eigene Regeln entwerfen, deren wiederholte Anwendung komplexe Probleme schnell und mit ausreichender Genauigkeit löst, selbst wenn die Ausgangsdaten nicht für eine streng analytische Lösung ausreichen. Gigerenzer beschreibt einen schnellen Entscheidungsbaum („fast and frugal tree“) aus dem medizinischen Bereich, der pro Ebene nur eine Verzweigung hat. Für schnelle technische Entscheidungen (zeitkritische Regelungen, Notfallprogramme) ist dieses Prinzip gleichfalls anwendbar.